 | | Troja virtuell und einmalig zweimalig | |
Troja wurde kurz hintereinander zweimal virtuell rekonstruiert, das erste Mal durch uns, das zweite Mal durch eine Berliner Firma, die dafür - gemeinsam mit dem Lehrstuhl des Troja-Ausgräbers Korfmann - Millionenbeträge vom Bundesforschungsministerium erhielt. Unser Modell hätte der Lehrstuhl des Troja-Ausgräbers Korfmann umsonst haben können und hätte damit auch Sie, geneigter Leser, als Steuerzahler nicht belastet.
Und das kam so:
Die Rekonstruktion „unseres“ virtuellen Trojas begann im Wintersemester 1999/2000 an der Universität Stuttgart. Seit Jahren lernten dort Architekturstudenten bei uns den Umgang mit dem Computer. Als wir erfuhren, dass für das Jahr 2001 eine Troja-Ausstellung geplant war, hatten wir die Idee, diese alte Stadt auf dem Bildschirm wieder erstehen zu lassen. Letztlich ist es ja egal, mit welchen Gebäuden ein Student lernt. Ob Reihenhaus oder Troja. In letzterem Fall hätten alle einen zusätzlichen Nutzen. Ganz abgesehen einmal von der Motivation für die Studenten.
Prof. Korfmann, der seit 1987 vor Ort ausgrub, war angetan. Einige seiner Assistenten nahmen an unseren Kursen teil. Und er selbst an einer Pressekonferenz, die wir am Ende des ersten Kurses abhielten. Er gab dort Interviews, beispielsweise mit dem SWR. Auch haben ihm die ersten Ergebnisse offensichtlich gut gefallen.
Im Sommersemester des Jahres 2000 – wir gaben wieder eine kleine Pressekonferenz – konnte er terminlich nicht, wurde aber von seinen Assistenten vertreten.
Danach brach jeder Kontakt ab. Was zunächst gar nicht auffiel, waren die Herrschaften doch für ein gutes viertel Jahr in der Türkei beim Graben. Danach mussten sie sich etwas erholen, hatten gerade keine Zeit, würden sich aber wieder melden ....
Anfang November erfuhren wir, dass Prof. Korfmann die Ausstellungsleiter und die Verantwortlichen des Begleitkatalogs bat, keine Visualisierungen von uns in der Ausstellung zu zeigen, keine im Katalog. Auch nicht die Videoclips, die er zunächst haben wollte.
Da Prof. Korfmann für uns nicht zu sprechen war, erfuhren wir auch nicht, warum er Bilder plötzlich ablehnte, die ihm bis dahin doch gut gefallen hatten. Und warum er weitere ablehnte, die er noch gar nicht gesehen hatte. Wir baten mehrfach vergebens um ein Gespräch.
Im Januar 2001 brachte die Zeitschrift Bild der Wissenschaft einen mehrseitigen Artikel mit großformatigen Abbildungen unserer Visualisierungen. Im Theiss-Verlag erschien die CD mit dem Titel Troja, 3000 Jahre Geschichte im Modell von uns und das Wissenschaftsmagazin „Nano“ des Fernsehsenders 3sat war zu Aufnahmen für eine Sendung mit unseren Video-Clips an der Universität. (Gesendet wurde am 6. Februar.)
Im Januar erhielten wir – auch und endlich – ein Schreiben vom Lehrstuhl Korfmann: Troja würde jetzt auch virtuell rekonstruiert. Zusammen mit einer Berliner Firma, die dafür mit Millionenbeträgen aus dem Bundesforschungsministerium gefördert wurde.
Millionen. Wir hätten unser Modell umsonst übergeben. Das war wohl zu wenig.
Später sahen wir, dass die Berliner Firma im Internet ganz stolz auf ihr neues Vorhaben verwies und unser – eindeutig unser – Modell von Troja als Grafik dazu abbildete.
Übrigens kamen die Berliner völlig legal an dieses Modell. Wir hatten es ihnen – auf Wunsch des Lehrstuhls Korfmann – zugesandt. Damals – als wir noch miteinander sprachen. Damals waren wir so dumm und dachten, wir hätten es mit seriösen Leuten zu tun.
In der Troja – Ausstellung selbst, die zuerst in Stuttgart, dann in Braunschweig und danach in Bonn gezeigt wurde, waren unsere Visualisierungen zu sehen. Jedenfalls in Stuttgart und in Braunschweig. Als die Ausstellung in Bonn eröffnet wurde, waren dann die Berliner wohl auch fertig geworden. Dort wurde dann das zweite – doppelte Troja – gezeigt. Aus dem Fernsehen erfuhren wir zu Beginn der Bonner Ausstellung, dass dort „erstmalig“ das virtuelle, rekonstruierte Troja gezeigt würde. Ohne rot zu werden behauptete das der Vertreter des Lehrstuhls Korfmann, ebenso wie ein Vertreter der Berliner Firma. Beide kannten uns persönlich, unsere Rekonstruktionen (ja genau, diejenigen, die sie dann als ihre eigenen ausgegeben hatten) ...
Später lasen wir mitunter in der einen oder anderen Zeitung, dass Prof. Korfmann auch in seinen Vorträgen behauptete, in Bonn sei zum ersten Mal Troja gezeigt worden. Dabei waren in Stuttgart und Braunschweig gut und gerne eine halbe Million Besucher, die es doch anders gesehen haben ...
Ach ja: Im Begleitkatalog zur Troja Ausstellung ist eine (!) Visualisierung des besagten Lehrstuhls zu sehen. Abbildung 438 auf Seite 392.
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